9. Dezember

Befristeter Service der Universität Kassel

Hier sitze ich nun als Technisch-Administrativer Mitarbeiter im Verwaltungsapparat der Universität Kassel. Mit meinen Kollge*innen darf ich das Serviceangebot der Universität für den Übergang von Schule zum Studium qualitativ und quantitativ ausbauen. Die Arbeit macht Spaß. Das Team bzw. unsere Abteilungsgruppe ist super. 

Das Programm Qualitätspakt Lehre (QPL) von Bund und Ländern hat seit 2011 das Ziel die Personalausstattung an Hochschulen zu verbessern, die Qualität der Lehre zu steigern sowie die „Sicherung und Weiterentwicklung einer qualitativ hochwertigen Hochschule“ zu fördern[1]. Mein Eindruck ist, dass dies auch erreicht wurde – zumindest in Zahlen und sicher auch darüber hinaus. Alleine in unserer Gruppe wurden eine Handvoll Mitarbeiter*innen über diese Mittel eingestellt. Ich bin einer davon. Festangestellte konnten ihre bestehenden Stunden aufstocken. Uniweit wurden um die 70 neue Mitarbeiter*innen eingestellt – bei einem Vollzeitequivalent von etwa 40 Vollzeitstellen. Bei den Hilfskräften sieht es bzgl. der Einstellungen ähnlich aus. Da haben sich Bund und Länder mit 2 Milliarden Euro[2] etwas geleistet! Und die Universität Kassel kann mit ca. 140 Personen die „Verbesserung der Studienbedingungen und der Lehrqualität“[3] vorantreiben. Bis Ende nächsten Jahres. Am 31.12.2020 läuft das Programm aus. Wie dann die 140 Menschen bezahlt werden? Zum Großteil wohl überhaupt nicht mehr. Ihre Arbeitsverträge laufen aus – ganz entspannt und ohne den Rattenschwanz eines Kündigungsprozesses. Die „Projektitis vulgares“ (die allgemein befristete Einstellung über Projekte) ist mittlerweile auch im öffentlichen Dienst angekommen. Welche Auswirkungen das auf die Menschen hat, die in solchen Kontexten eingestellt sind, wird noch hinter anderen Adventstürchen behandelt…

Nun zurück zum Service. Es gibt ihn. Und er ist an vielen Stellen gut. Zum Beispiel wenn, wie in der HNA berichtet wurde, Studienanfänger*innen durch Orientierungs- und Informationsangebote oder persönliche Starthilfen von erfahrenen Studierenden in den ersten Tagen und Wochen unterstützt werden[4]; wenn kostenlose Workshops für Schlüsselkompetenzen oder den Umgang mit Prüfungssituationen angeboten werden. Oder wenn es eine Vielzahl von Informationsangeboten für Schüler*innen bzw. Studieninteressierte gibt: Von Großveranstaltungen wie den Studienberufs- und Informationstagen mit mehreren tausend Schüler*innen, ein Vorlesungsverzeichnis für interessierte Schüler*innen oder einem eintägigen Orientierungs-Workshops zur Unterstützung der Studienfachwahl. All diese Informationsformate werden zurzeit konzipiert, weiterentwickelt, organisiert und koordiniert von Projektangestellten. Ganz zu schweigen vom operativen Teil in dem eine Vielzahl von Hilfskräften eingebunden sind, welche größten Teils aus dem gleichen Topf gespeist werden. Was mit diesem (und weiteren) Serviceangeboten nach 2020 passiert? Hier zwei mögliche Szenarien:

Szenario 1: Naheliegend und wahrscheinlich wäre, dass für die Durchführung der Veranstaltungen die festangestellten Kolleg*innen eingebunden werden – so die grundsätzliche Logik von Projektstellen. Hier ist natürlich die Frage, wie sie dies „on top“ ihres eigentlichen Tagesgeschäfts durchführen sollen. Zumal auch sie häufig mit QPL-Mitteln aufgestockt sind. Das würde also bedeutet, dass sie mit weniger Stunden mehr Aufgaben haben werden. Logische Konsequenz: Entweder die Qualität wird leiden oder einzelne Serviceangebote werden ganz gestrichen.

Szenario 2: Können das nicht auch HiWis machen?
Ja und dann noch die Frage der Außenwirkung. Stellen wir uns vor, eine Lehrerin möchte nächstes Jahr mit ihrer Klasse eines der Informationsangebote für Schüler*innen wahrnehmen. Es wird ein, zwei, drei Mal telefoniert. Es wird vorrausschauend geplant. Der Termin findet einige Monate später statt. Ein Zeitraum, innerhalb dessen bei einer auslaufenden Projektstelle ohne Perspektive viel passieren könnte. Drei Wochen vor Stattfinden des Termins an der Universität Kassel hat die Lehrkraft noch eine Frage und ruft unter der bekannten Nummer an: „Die Projektstellen-Kollegin? Ja?! Ne. Leider Nein. Die hat uns verlassen. Das tut uns leid. Wer jetzt ihre Ansprechperson ist? Ähhh. Ich glaube ich. Das Serviceangebot? Das können wir so in der Form leider nicht mehr anbieten.“

Ihre Universität Kassel

(BM, QPL-Projektmitarbeiter)


[1] https://www.qualitaetspakt-lehre.de/de/qualitat-von-hochschullehre-und-studienbedingungen-verbessern-1764.php (Stand: 27.11.19)

[2] Ebd.

[3] Ebd.

[4] HNA vom 17.10.2019

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