18. Dezember

Qualifikat und Qualifikant

„Qualifikationsstelle gem. § 65 HHG i. V. mit § 2 Abs. 1 Satz 1 WissZeitVG; künstlerische Weiterqualifizierung“

(Stellenangebot der Universität Kassel, 2014)

„Qualifikation […] 2. a) durch Ausbildung, Erfahrung o. Ä. erworbene Befähigung zu einer bestimmten [beruflichen] Tätigkeit […] b) Voraussetzung für eine bestimmte Tätigkeit (in Form von Zeugnissen, Nachweisen o.Ä.) “

(Duden)

Frage: Zu was qualifiziert die künstlerische Qualifikation, wie sie am Abschluss der Qualifikationsstelle an der Kasseler Kunsthochschule steht?

Wäre sie eine Voraussetzung für etwas, müsste sie irgendwo vorausgesetzt werden: „Einstellungsvoraussetzungen sind neben der Promotion und universitärer Lehrerfahrung …“, wie es beispielsweise in Stellenausschreibungen für Professuren heißt. Eine künstlerische Qualifikation an der Kasseler Kunsthochschule (auch in Form eines Zeugnisses) wird jedoch nirgendwo vorausgesetzt. Wenn die Qualifikation aber zu nichts qualifiziert, muss die Frage falsch gestellt worden sein.

Richtige Frage: Zu was qualifiziert es wen, wenn eine Stelle als Qualifikationsstelle ausgeschrieben wird?

„Die Befristung von Arbeitsverträgen des in § 1 Absatz 1 Satz 1 genannten Personals, das nicht promoviert ist, ist bis zu einer Dauer von sechs Jahren zulässig, wenn die befristete Beschäftigung zur Förderung der eigenen wissenschaftlichen oder künstlerischen Qualifizierung erfolgt.“

(§ 2 Abs. 1 Satz 1 WissZeitVG)

Antwort: Die Ausschreibung der Stelle als Qualifikationsstelle ist Voraussetzung dafür, einen befristeten Vertrag ausstellen zu können, wenn dieser ansonsten unbefristet ausgestellt werden müsste.

Auch wenn die künstlerische Qualifikation an der Kunsthochschule Kassel also die so qualifizierte Person selbst zu nichts qualifiziert, wird die Zeit dieser zu nichts qualifizierenden Qualifikation auf die gesamte „Dauer von sechs Jahren“ an gemäß WissZeitVG befristeten Verträgen an deutschen Hochschulen aufgerechnet.

Richtige Antwort auf die falsche Frage: Die künstlerische Qualifikation ist Voraussetzung, gegebenenfalls nicht länger an einer deutschen Hochschule arbeiten zu können.

Aber!

„Nach abgeschlossener Promotion ist eine Befristung bis zu einer Dauer von sechs Jahren […] zulässig, wenn die befristete Beschäftigung zur Förderung der eigenen wissenschaftlichen oder künstlerischen Qualifizierung erfolgt […].“

(§ 2 Abs. 1 Satz 1 WissZeitVG)

Leider ist die künstlerische Qualifikation an der Kunsthochschule Kassel keine Promotion im Sinne von § 2 Abs. 1 Satz 1 WissZeitVG. Glücklicherweise ist es aber möglich, sich neben der zu nichts qualifizierenden Qualifikation an der Kunsthochschule Kassel noch ‚nebenbei‘ an einer anderen Hochschule qualifizierend zu qualifizieren. Richtig?

Frage: Ist eine mit summa cum laude abgeschlossene Promotion eine ausreichende Voraussetzung, um gemäß WissZeitVG nach dem Ablauf von 6 Jahren auf befristeten Stellen an der Universität Kassel weiterbeschäftigt zu werden?

Antwort: Nein, solange auf dem Promotionszeugnis nicht explizit vermerkt ist, dass es sich dabei um eine laut WissZeitVG abgeschlossene Promotion handelt.

Die nach WissZeitVG gültige ‚amtliche‘ Promotionsurkunde kann erst nach Veröffentlichung der Dissertation ausgehändigt werden? LOL du Opfer mach doch ALG naja OK hier 1 Lehrauftrag, stehst ja eh schon im Vorlesungsverzeichnis

Frage: Echt jetzt Uni Kassel

Antwort: „Die Einstellungsregelungen hier in Kassel werden sehr strikt gehandhabt, schließlich wollen wir eine Exzellenz-Uni werden“

Frage: Wäre es für eine potentielle Exzellenz-Uni eventuell von Vorteil, ‚ausgezeichnet‘ (in Form von Zeugnissen) qualifizierte Wissenschaftler mit mehrjähriger Arbeitserfahrung am Exzellenz-Cluster einer weltweit renommierten deutschen Universität anzustellen?

Antwort: Ich verstehe Ihre Frage nicht. Können Sie sie nochmals gemäß WissZeitVG formulieren?

J.B. (ehemaliger künstlerischer Qualifikant)

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