14. Dezember

Meine Zukunft liegt im Ungewissen

Seit über 16 Jahren arbeite ich an der Uni, habe zwei Kinder großgezogen, die jetzt das Haus verlassen und musste mich ab diesem Jahr neu orientieren, weil die Befristung endet.

Wahrscheinlich hätte ich gute Chancen mich einzuklagen, aber das werde ich nicht tun. Ich bin kein Kämpfer, aber selbst wenn ich kämpfen würde: Der Verlierer ist in jedem Fall die Uni. Ich weiß nicht, wie viele Mitarbeiter ich während dieser Zeit eingearbeitet und wieder verabschiedet habe, ich weiß nicht, wie viel Wissen in den letzten Jahren die Uni verlassen hat. Dafür haben wir ja jetzt auch Denkfabriken oder Entwicklungsplaner, die die Geschicke der Uni lenken sollen. Nur wir werden beim Denken leider nicht mehr mit einbezogen. Meine Eltern können das alles nicht verstehen „aber du bist doch im öffentlichen Dienst“, sie halten mich wahrscheinlich für unfähig, denn das System der Befristungen kann man keinem erklären. Ich schlafe schlecht, habe Existenzängste, die ich körperlich spüre und bin trotz allem froh Teil dieser Uni gewesen zu sein, in der es in der Vergangenheit noch möglich war mit dem Präsidenten zwanglos auf dem Flur zu reden, seine Ideen mit Führungspersonen zu diskutieren. Das gibt es leider nicht mehr. Heute muss man Vermerke schreiben, um gehört zu werden, doch ob die an den gewünschten Stellen ankommen: Wer weiß das schon?

Ich wünsche meiner Uni alles Gute für die Zukunft. Meine Zukunft liegt im Ungewissen, vielleicht hätte ich frühzeitig in Aktienpakete investieren sollen?

(Administrative-technischer Mitarbeiter)

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