10. Dezember

Mein Herz schlägt für Kassel

von einer Möchtegernbleiberin

Kassel ist schön. Hier kann ich mit einem Team forschen, 5 Jahre lang gemeinsam schreiben, debattieren, Forschungsaufenthalte durchführen; hier erlebe ich ein kollegiales und solidarisches Umfeld, wie ich es von keiner anderen Universität kenne. Das Gefühl, hier gemeinsam etwas zu bewegen und ein Umfeld für kritische gesellschaftswissenschaftliche Forschung zu schaffen, ist etwas Einzigartiges.

Gleichzeitig breitet sich Abschiedsstimmung aus, legt sich wie Mehltau auf jede Begegnung. Die Lauben auf dem Campus, das Basketballfeld, der freundliche Hund vor dem Studienbüro, das kurze Gespräch in der Poststelle, die Herr*Krit-Orgatreffen. Ich möchte hier nicht weg, doch ich habe kaum eine andere Wahl. Bald werde ich eine Tenure-Track-Professur antreten, an einer „Exzellenzuni“ gar. Als ich den Ruf erhalten hatte, habe einen Brief geschrieben, um zumindest ein Gespräch über Entfristungsmöglichkeiten zu führen, zumal ich doch, auch nach den Regeln des akademischen Wettbewerbs gewertet, einiges erzielt habe: Forschungsgelder in Höhe von fast 2 Mio. EUR eingeworben, bei diversen anderen Anträgen mitgewirkt, und damit dazu beigetragen, dass diese Universität sich durchaus sehen lassen kann. Im Brief stand „Mein Herz schlägt für Kassel“, und das ist mein voller Ernst. Auf die Antwort warte ich bis heute.

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