Newsletter Uni Kassel Unbefristet Juli 2021: Kodex für Gute Arbeit?

Liebe Kolleg*innen, liebe Mitstreiter*innen,

wer sich in den letzten Wochen auf twitter umgeschaut hat (oder aktuelle Bundestagsdebatten verfolgt), ist um eine wichtige Diskussion nicht herumgekommen: unter dem Hashtag #ichbinHanna berichten Menschen von den Absurditäten der prekären Arbeit an deutschen Universitäten. Zukunftsangst, Kettenverträge, zerrissene Familien- und Privatleben, Leistungsdruck und Überstunden – alles in der Hoffnung irgendwann doch mal einen unbefristeten Arbeitsvertrag als Wissenschaftler*in, im Wissenschaftsmanagement, in der Drittmittelakquise usw. zu erhalten. Es gibt auch einen Blog, der das Ganze dokumentiert: https://ichbinhanna.wordpress.com/ Von den vielen Gesprächen mit euch am Telefon oder auf Zoom wissen wir, dass der Frust auch an der Uni Kassel groß ist. Das Befristungsunwesen verunsichert, laugt aus und sorgt dafür, dass Menschen mit Erfahrung und Expertise immer wieder die Koffer packen und neue Mitarbeiter*innen eingearbeitet werden müssen.In Hessen organisieren sich Uni-Angestellte in verschiedenen Unbefristet-Initiativen. Wir haben Debatten angestoßen und die Notwendigkeit einer Kursänderung deutlich gemacht. Auf Landesebene wurden die Forderungen zur Kenntnis genommen und im Koalitionsvertrag der schwarz-grünen Regierung steht die Verabschiedung eines „Kodex für gute Arbeit“. 


Intransparente Verhandlungen zum Hessischen Kodex für Gute Arbeit in der Wissenschaft


Dieser wird seit einiger Zeit zwischen Ministerium und Hochschulen verhandelt. Die Gespräche laufen völlig intransparent, nur wenige kennen die Entwürfe, Positionen und den Zeitplan. Nichts davon dringt an die Hochschulöffentlichkeit durch. Wir kritisieren diese undemokratische Vorgehensweise und appellieren an alle Beteiligten, offenzulegen, was verhandelt wird. Personalvertretungen, Gewerkschaften, Beschäftigteninitiativen und die Betroffenen selber müssen an den Aushandlungen beteiligt werden und ihre Forderungen einbringen können. 
Wir erwarten von den Personalräten, dass sie sich im Kodex für verbindliche und überprüfbare Maßnahmen einsetzen, die deutlich und spürbar den hohen Anteil von befristeten Arbeitsverhältnissen für alle Beschäftigtengruppen senken. Zudem müssen Vorkehrungen dafür getroffen werden, dass Promovierende ausreichend Zeit für ihre Qualifikationsarbeit in der bezahlten Arbeitszeit erhalten, Verlängerungsoptionen voll im Rahmen des WissZeitVG ausgereizt werden (6 Jahre, statt 3+2, familienpolitische Komponente), es ein ernsthaftes Dauerstellen-für-Daueraufgaben-Konzept gibt, sachgrundlose Befristungen gänzlich entfallen, Lösungen für Drittmittel-Beschäftigte gefunden werden. Genau aufgeschlüsselt haben wir unsere Forderungen für die Uni Kassel bereits vor einiger Zeit in unserem Maßnahmenkatalog: https://unikasselunbefristet.files.wordpress.com/2019/05/mac39fnahmenflyer_01_16-1.pdf


Ein Kodex für Gute Arbeit, der lediglich das Bestehende fest- und in alle Ewigkeit fortschreibt, wird an den prekären Beschäftigungsverhältnissen nichts ändern. Nur, wenn darin eine Veränderungsperspektive erkennbar wird, lohnt sich ein solches Papier. Die Beteiligten sollten daher ihre Verantwortung ernst nehmen sowie die betroffenen Beschäftigtengruppen angemessen beteiligen und informieren. Gegen das Durchlauferhitzer-Modell von Arbeit an der Universität organisieren wir uns weiterhin, auch in den kurz bevorstehenden Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst in Hessen. Denn: Wir sind gekommen, um zu bleiben!

Solidarische Grüße

Uni Kassel Unbefristet

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